Raumfahrthistorisches Archiv Bremen e.V.

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22.03.2015

Kurzporträt
Raumfahrthistorischen Archivs Bremen e. V.

Der Verein Raumfahrthistorisches Archiv Bremen e. V. wurde am 26. Mai 2000 gegründet. Er dient dem Zweck, Zeugnisse der Unternehmensgeschichte der Astrium GmbH sowie ihrer Rechtsvorgänger und Nachfolger am Standort Bremen zu dokumentieren, zu bewahren und wissenschaftlich nutzbar zu machen.

Diese Vereinsgründung stand am Ende eines langen Prozesses, der bald nach der Bildung der Deutschen Aerospace AG Dasa im Jahr 1989 als Tochterunternehmen der Daimler-Benz AG begonnen hatte. Ein Kreis aus leitenden Archiv- und Museumsfachleuten erarbeitete für den Dasa-Vorstand das Konzept eines Dasa-Unterneh-mensarchivs. Die letztlich in der Dasa vereinigten Traditionsfirmen der nationalen Luft- und Raumfahrtindustrie schlugen dem Vorstand, angesichts der vielfältigen technischen Entwicklungen an den Standorten eine im Wesentlichen dezentrale Struktur des Unternehmensarchivs vor. Der Vorstand verabschiedete diese Empfehlung am 8. November 1993 als Beschluss. In diesem werden die Geschäftsbereiche beauftragt, dezentrale Historische Archive zu unterhalten, um damit die für die Firmengeschichte historisch bedeutsamen Dokumente zu sichern. Das Konzept des Dasa-Unternehmens-archivs orientiert sich an dem Ideal des Mercedes-Benz-Archivs in Stuttgart-Untertürkheim. So entstanden in den Dasa-Ge-schäftsbereichen, also auch in Bremen, umfangreiche Unternehmensarchive sowohl mit technischen als auch kaufmännischen Dokumentationen. Diese halten die vom Gesetz- oder von Auftraggebern vorgeschriebenen Aufbewahrungsfristen für die archivierten Bestände ein; nach Ablauf der Frist werden die Bestände größtenteils vernichtet.

Für die Sicherung der für die Firmengeschichte bedeutsamen Dokumente wäre es nach dem Dasa-Vorstands-beschluss nötig, im Geschäftsbereich Raumfahrt-Infra-struktur zusätzlich zu dem bestehenden Unternehmensarchiv ein historisches Archiv einzurichten. Nicht die Bereitstellung der benötigten Räumlichkeiten samt der hierzu erforderlichen Infrastruktur und Sachmittel erschien problematisch, sondern die Abstellung firmeneigenen Personals für die Arbeitsleistung entwickelte sich schnell zur Kostenfrage, da hier wohl kaum weniger als zwei hauptamtliche Mitarbeiter für den zu tätigenden Aufwand einzusetzen wären.

In dieser Situation bekam der ins Stocken geratene Prozess der Einrichtung eines historischen Archivs einen neuen Anstoß von außen: Hans E. W. Hoffmann, der seit Gründung der ERNO im Jahre 1961 - mit Ausnahme seiner Zeit als ELDO-Direktor - dem Unternehmen angehörte und als Geschäftsführer in den 1970er-Jahren entscheidenden Anteil am Erfolg der ERNO Raumfahrttechnik hatte, bot im Frühjahr 1998 Dr. Werner Inden, dem damaligen Leiter Marketing und Außenbeziehungen, seine private Sammlung an Dokumenten aus seiner aktiven Berufszeit für die Aufnahme in ein historisches Archiv an. Christina Kläne, die sich als Leiterin des Unternehmensarchivs von Anfang an für die Einrichtung eines historischen Archivs eingesetzt hatte, nahm das Angebot von Hans E. W. Hoffmann an und übernahm die Sammlung erst einmal in das Unternehmensarchiv. Damit legte sie den Grundstein zum historischen Archiv. Im selben Monat trat auf Einladung von Winfried Selke erstmals ein Kreis interessierter Kollegen der Raumfahrt-Infrastruktur zusammen, der sich als "Initiativkreis Raumfahrt-Historie" zum Ziel gesetzt hatte, Teilinitiativen zur Geschichte der Raumfahrt-Infrastruktur zu bündeln und erfolgreich abzuschließen. Der Initiativkreis trat erstmalig am 13. Mai 1998 zusammen. Ihm gehörten Christina Kläne, Claus Cohrt, Stephen Ransom und Winfried Selke an. Im folgenden Jahr schlossen sich Ulrich Bremer, Hans-Martin Fischer und Franz-Herbert Wenz an.

Als die beiden Bremer Geschäftsbereiche Airbus und Raumfahrt-Infrastruktur der Daimler-Benz Aerospace planten, am 26. September 1998 auf dem Firmengelände an der Hünefeldstraße einen großen Familientag zu veranstalten, erschien dies dem Initiativkreis eine willkommene Gelegenheit, die Raumfahrthistorie in Bremen auf großen Stellwänden zu visualisieren und dies mit einer Selbstdarstellung des Unternehmensarchivs zu verbinden. Die Organisatoren des Familientages stellten dafür eine Fläche von 100 m² zur Verfügung. Die Planung der Archivausstellung sowie die Erarbeitung der Ausstellungsinhalte nahm sehr schnell Gestalt an: Die Reaktion der Besucher, die zu unserem Stand in der großen Airbus-Halle 20 fanden, ermunterten uns, den eingeschlagenen Weg zur Errichtung eines historischen Archivs weiter zu verfolgen. Im selben Jahr 1998 fiel eine für die spätere Zusammenarbeit des Historischen Archivs mit dem Stedinger Verlag bedeutende Entscheidung: Der Leiter des Bereichs "Programme und Vertrieb" Werner Inden hatte den ehemaligen Leiter der Antriebe in Ottobrunn Helmut Hopmann beauftragt, die Geschichte der Antriebe im Konzern aufzuschreiben. Das Ergebnis dieser Arbeit war das Buch "Schubkraft für die Raumfahrt", dessen Produktion ausgeschrieben wurde. Nach einem objektiven Auswahlverfahren unter den Angeboten namhafter deutscher Verlage erhielt der Stedinger Verlag in Lemwerder für sein drucktechnisch besonders innovatives und preisgünstiges Angebot im Oktober 1998 den Zuschlag. Das Rezensionsexemplar dieses später international ausgezeichneten Buches konnte der Stedinger Verlag bereits im April 1999 aushändigen. Dessen Qualität dient bis heute als Richtschnur für eine Publikationsreihe, die das Historische Archiv seit 2001 herausgibt.

Im Frühjahr 1999 nahm der Initiativkreis "Raumfahrt-Historie" die im Jahr 1998 begonnene Arbeit wieder auf. Mittlerweile hatte sich die Erkenntnis durchgesetzt, dass nur in der Einschaltung ehrenamtlich tätigen Personals und hier vor allem von Ruheständlern die offene Frage der Personalkosten für den Archivbetrieb zu lösen ist. Diese haben dazu noch den Vorteil, infolge langjähriger

Tätigkeit in allen bislang in der Firma gelaufenen Vorhaben und Projekten einen guten Überblick über den historischen Wert der hier erstellten Unterlagen und Dokumente zu besitzen und Wesentliches von Unwesentlichem trennen zu können.

Die Firmenangehörigen, die sich im Initiativkreis zusammengefunden hatten, waren bereit, diese Aufgaben zu übernehmen. Überlegungen zur Gestaltung des Vorhabens Historisches Archiv führten zur Organisationsform eines eingetragenen Vereins mit definierten Rechten und Pflichten der im Archiv Tätigen. Um hier klare rechtliche Verhältnisse zu schaffen, wurde die Organisationsform eines eingetragenen Vereins gewählt.

Die Gründe waren u. a:

Der "Eingetragene Verein" ist eine juristische Person und kann über seine Leitungsgremien als juristischer Vertragspartner auftreten.

Der "Eingetragene Verein" kann infolge geeigneter Zielsetzung vom Finanzamt als gemeinnützig anerkannt werden. Geldliche und geldwerte Zuwendungen an den Verein können vom Zuwender steuerlich geltend gemacht werden.

Der Vereinsvorstand haftet bei eventuellen Schäden nur im Rahmen des Vereinsvermögens, (im Gegensatz zum "nicht eingetragenen Verein", bei dem der Vorstand gegebenenfalls mit seinem gesamten Privatvermögen haftet).

2003 wurde beim Finanzamt Bremen der Antrag auf Gemeinnützigkeit im Hinblick auf die Tätigkeit des Vereins zur "Förderung der Kultur" - hier die Bewahrung und öffentliche Zurverfügungstellung des Kulturgutes "Ingenieurleistungen" - gestellt. Nach diversen Verhandlungen und entsprechenden Umformulierungen der Vereinssatzung wurde dem Raumfahrthistorische Archiv Bremen e. V. im Jahre 2003 rückwirkend die Gemeinnützigkeit zuerkannt.

Gespräche mit der Astrium-Standortleitung finden in der Regel alle sechs Monate statt, meist dann, wenn Bedarf an zu klärenden Problemen bzw. Anliegen, wie z. B. die Teilnahme an internen und externen Veranstaltungen, besteht.

Das Raumfahrthistorische Archiv gehört auch zum Verbund der Bremer Archive, einem lockeren informativen Zusammenschluss aller in Bremen aktiven Archive (ca. 53), die sich regelmäßig zum Meinungsaustausch treffen.

Im Astrium-Jubiläumsjahr 2011 hat das "Raumfahrthistorische Archivs Bremen e. V." ca. 80 Mitglieder, von denen sich der harte Kern (ca. 15 bis 20 Personen) jeden Dienstag von 10.00 bis 17.00 Uhr in den Räumen des Archivs, Gebäude 4c, Raum 0.009 auf dem Gelände der Firma Astrium trifft.

Zu erreichen sind wir unter Tel.-Nr. 0421-539 4336 oder der E-Mail www.raumfahrt-archiv-bremen.de.

Der Verein "Raumfahrthistorisches Archiv Bremen e. V." wird durch einen Vorstand geführt, der seit seiner Gründung jährlich von der Mitgliederversammlung neu gewählt wird und regelmäßig zu Vorstandssitzungen zusammentritt.

Nachfolgend der Vorstand des Vereins, seit seiner Gründung im Jahre 2000.

Jahr

1. Vorsitzender

2. Vorsitzender

Kassenwart

Schriftführer

2000 - 2005

Winfried Selke

Franz-Herbert Wenz

Claus Cohrt

Hans-Martin Fischer

2006 - 2008

Hans-Martin Fischer

Franz-Herbert Wenz

Claus Cohrt

Peter Paeßler

2009 - 2013

Franz-Herbert Wenz

Ulrich Bremer

Claus Cohrt

Peter Paeßler

2013 - 2015

Ulrich Bremer

Franz-Herbert Wenz

Hans-Wilhelm Usedom

Reiner Nürge

seit 2015

Ulrich Bremer

Rüdiger Kledzik

Hans-Wilhelm Usedom

Reiner Nürge

Autoren: Winfried Selke & F.-Herbert Wenz


Bericht aus "ASTRIUM inside No. 29"
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Auch auf der Website der ESA findet sich ein Bericht über das Raumfahrthistorischen Archivs Bremen.
Hier der Link dazu

http://www.esa.int/esaCP/GGG28VW7EEC_Germany_0.html